Ausnahmezustand auf Russisch

Wenn es nachts nicht mehr richtig dunkel wird in der Fünf-Millionen-Metropole im Norden des russischen Reiches, dann beginnen die so genannten weißen Nächte. Zwei Sommermonate lang befinden sich Bewohner und Besucher der alten Zarenstadt dann in einer Art Ausnahmezustand.

Russische „Biznesmeny“ und ausländische Milliardäre feiern ausschweifende Partys, für die man kurzerhand das komplette Petersburger Ballett engagiert. Touristen suchen die Schönheit der Stadt bei nächtlichen Bootstouren auf der Neva, Absolventen der Militärakademie zelebrieren das Ende ihrer Ausbildung mit dem symbolischen Sturm auf das Winterpalais – was die Miliz ebenso regelmäßig wie erfolglos zu verhindern sucht. Und selbstverständlich fließt in dieser Zeit noch mehr Alkohol als in dem ohnehin promillereichen Alltag der „Peterburschzy“ – Champagner für die Reichen, Wodka für die Armen.

Das bleibt nicht ohne Folgen für die Kriminalstatistik: Wenn Abendröte und Morgensonne ineinander übergehen, machen Polizei und Rettungsdienste Überstunden. Straßenräuber lauern auf wehrlose Opfer, Prügeleien sind an der Tagesordnung, die Mord- und Totschlagsrate steigt.

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